Hand auf's Herz...

Wer hat schon die Möglichkeit, seinem Vierbeiner endlose Weiden für aus- reichende Bewegung im Herdenverband zur Verfügung zu stellen? Solche Pferdeparadiese sind rar, im dicht besiedelten Süden Deutschlands einmal mehr. Gute Ställe sind leider selten, deren Wartelisten entmutigend lang.

Aber auch die Seite der Stallbesitzer ist nicht allzu rosig, zu groß ist der wirtschaft- liche Druck bei diesem 365-Tage-Marathon. Fachpersonal? Unbezahlbar - genauso wie die großen Graskoppeln. (Nur so nebenbei: in England muss ein Groom ein Studium absolvieren!)

Wir selbst sind während des Tages mehr oder weniger damit beschäftigt, einer Brot- und Futtererwerbstätigkeit nachzugehen und hoffen, dass unser Pferd gut aufgehoben ist. Am Abend hetzten wir dann noch in den Stall, um wenigstens ein Minimum an Bewegung sicherzustellen.

Doch was treibt unser geliebter Vierbeiner so den ganzen Tag? Wie ist seine Stellung im Herdenverband? Kann er stressfrei ausreichend Raufutter fressen, sich wälzen und scheuern, chillen und ruhen? Hat er einen guten Freund oder Kumpel zur Fellpflege und zum Spielen oder wird er womöglich gemobbt? Ist der Herdenverband stabil und harmonisch oder sind ganz verschiedene Rassen zusammengewürfelt? Womöglich bei einem zu geringen Platzangebot? Und wer kümmert sich eigentlich um Themen wie Entwurmungsmanagement – auch das bleibt leider zunehmend auf der Strecke, oft mit fatalen Folgen.

Leider erzählen uns unsere Pferde nicht, wie sie den Tag verbracht haben.  Vielmehr können sie je nach Rasse ihr tatsächliches Befinden sogar sehr gut verbergen. Und unsere zeitlich  begrenzte Stippvisite lässt uns oftmals kein objektives Bild gewinnen.

Spätestens bei Symptomen wie Kotwasser, Gewichtsproblemen, mangelnder Leistungsbereitschaft und Verhaltensänderungen sollten wir daher - ergänzend zur tierärztlichen Abklärung - das Thema Stress näher beleuchten. Oberste Prämisse dabei ist und bleibt: das Pferd bestimmt die Haltungsform!

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© Ulrike Steidle